Mental Load – Unterstützung für Frauen in Schwangerschaft und Wochenbett
Ein Kind verändert vieles: Aus Paaren werden Eltern, die Familie wächst, die Aufgaben auch. Geteilte Care-Arbeit ist spätestens seit Einführung der Vätermonate in der Elternzeit ein gesellschaftlich breit diskutiertes Thema. Hier gibt es objektive und subjektive Veränderungen gegenüber den früheren Elterngenerationen: Rund 46 % der Väter nehmen Elternzeit (Statistisches Bundesamt für 2021 geborene Kinder), Väter sind in der pädiatrischen Praxis oder in der Krabbelgruppe präsent und sichtbar, bringen sich aktiv in das Familienleben und die Erziehung ein.
Aber: Es besteht weiterhin ein großes Ungleichgewicht in der elterlichen Rollenverteilung, wenn die mentale Belastung rund um die Organisation des Familienalltags in den meisten Fällen nach wie vor von Frauen erledigt wird.
Die unsichtbare Rollenaufteilung …
Neben der zunehmenden Aufteilung sichtbarer Aufgaben wie Haushalt, Erziehung und Betreuung zwischen den Elternteilen bleibt die kognitive Sorge-Arbeit (Mental Load) oft unsichtbar und ist daher kaum messbar. Viele Frauen „rutschen“ fast unbemerkt in die unsichtbare Rollenaufteilung, da sie sich schon während der Schwangerschaft in der Rolle der Organisatorin wiederfinden und im Anschluss an das Wochenbett oft den überwiegenden Teil der Elternzeit nehmen.
Begünstigt wird dieser Umstand einerseits durch tradierte Vorstellungen (etwa: Fürsorge ist „typisch weiblich“) und andererseits durch ein existierendes Ungleichgewicht bei der Bezahlung: Frauen verdienen nach wie vor weniger Geld in einem vergleichbaren Job als Männer – die so genannte „Gender-Pay-Gap“.
Da liegt es nahe, dass nach der Geburt des ersten Kindes überwiegend Frauen ihre Arbeitszeit reduzieren, um den Familienalltag zu stemmen. Mütter werden mit großer Selbstverständlichkeit zu gefragten Profis in allen Belangen rund um Kinder und Haushalt. Das ist weit entfernt von fairer Arbeitsteilung.
Nicht bei allen Paaren bzw. Eltern führt dies zwangsläufig zu Frust – aber doch bei so vielen, dass „Mental Load“ mittlerweile zu einem Begriff geworden ist.
Gleichzeitig helfen beiden Partnern auch Listen, um sonst unsichtbare Tätigkeiten sichtbar zu machen und – besonders wichtig – das im-Gespräch-bleiben darüber.
Im Wochenbett:
- Familienzimmer zur Entbindung erfragen, Elternzeit/Homeoffice/Urlaub/Überstunden – die erste Zeit nach der Geburt wird freigeschaufelt oder eine Ersatzperson zur Unterstützung organisiert
- Väter wickeln unter Anleitung, kontaktieren die Hebamme, vereinbaren den U2 bzw. U3-Termin und die Vorstellung beim Orthopäden, … und kümmern sich um alles, was nicht Stillen ist.
Anke Matthischke empfiehlt außerdem auch den Hebammen und Kolleginnen und Kollegen in der Geburtshilfe, das Thema Mental Load künftig stärker in den Blick zu nehmen.
„Dies kann schon gelingen, indem Väter explizit zu allen Terminen eingeplant sind, im Geburtsvorbereitungskurs darüber gesprochen wird oder es sogar einen eigenen Kursteil nur für Männer gibt. Weiterhin gilt es in den Vorgesprächen auf die Vorteile der Familienzimmer hinzuweisen. Und nicht zuletzt kann auch die medizinische Indikation des Wochenbetts für Mutter und Kind nicht oft genug betont werden – es ist der ‚Babymoon‘, bei dem die Mutter alles, was nicht innerhalb des Bettes stattfindet, delegieren sollte.“Anke Matthischke, Hebamme
Weiterführende Lesetipps:
Hebamme Anke Matthischke hat zudem eine Sammlung der aktuellen Literatur und Weblinks zu diesem Thema zusammengestellt:
- Lea Beck-Hiestermann: Sorg gut für dich im Wochenbett. Dein psychologischer Begleiter durch die Höhen und Tiefen nach der Geburt (Beltz, 2024)
- Patricia Cammarata: Musterbruch. Überraschende Lösungen für wirkliche Gleichberechtigung (Beltz, 2024)
- Patricia Cammarata: Raus aus der Mental Load Falle. Wie gerechte Arbeitsteilung in der Familie gelingt (Beltz, 2020)
- Birk Grüling: Eltern als Team. Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit (Kösel, 2021)
- Emma: Mental Load. A Feminist Comic. (Random House LLC US, 2018)
- Podcast „Hebammensalon“ vom 07.06.2021, Sissi Rasche und Kareen Dannhauer.
- https://www.deutschlandfunkkultur.de/mental-load-wie-gerechte-arbeitsteilung-in-der-familie-100.html
- https://www.dhz-online.de/news/detail/artikel/aktive-vaterschaft-von-anfang-an/
- https://www.aok.de/pk/magazin/familie/eltern/mental-load-wie-unsichtbare-aufgaben-frauen-belasten/